KI beim Camping: Der Platz, an dem alles stimmte
Ich plane unsere Reisen mit einer KI und merke die Fehler erst, wenn wir da sind.

Unseren letzten Sommer habe ich komplett mit einer KI geplant, mit Claude Code, dem Werkzeug, mit dem ich auch arbeite.
Ich habe ihr Kriterien vorgegeben: die Regionen, in die wir wollten, eine Mindestbewertung, was es für die Kinder geben muss, und wie weit die Plätze auseinanderliegen dürfen, damit die Etappen fahrbar bleiben. Daraus wurde eine Route: Sérignan an der Mittelmeerküste, hinauf nach Font-Romeu in die Ostpyrenäen, davor die Ardèche. Drei Wochen, vier Personen, ein Kastenwagen.
Der Plan war gut. Zwei Dinge stimmten nicht, und beide habe ich erst vor Ort gemerkt.
Der erste Platz lag in der Ardèche, aber nicht an der Ardèche. Am Mas de Champel fließt der Eyrieux vorbei, bis zum Fluss Ardèche sind es anderthalb Autostunden. Das wussten wir beim Buchen, es stand so im Plan, und es war trotzdem der Fehler. Anderthalb Stunden hin sind anderthalb Stunden zurück. Wir sind kein einziges Mal hingefahren.
Was mir gefehlt hat, war keine Information, sondern eine Einschätzung: wie wenig an einem kleinen Fluss möglich ist. Der Pool war klein, nach zehn Minuten hatten die Kinder genug davon. Einen Badesee gab es nicht, kein Animationsprogramm und keinen Spielplatz, der sie länger beschäftigt hätte. Und der Eyrieux führte in diesem Hitzesommer so wenig Wasser, dass Paddeln kaum ging.
Das zweite waren die französischen Sommerferien. Sie haben 2026 am 5. Juli begonnen, und die drei Zonen, nach denen Frankreich seine Ferien sonst staffelt, starteten diesmal am selben Tag. An diesem Datum fährt ein ganzes Land gleichzeitig los.
Wir standen in der Woche davor auf einem kleinen, gemütlichen Platz. Den hatten wir bewusst gewählt und gehofft, dass unser Sohn dort trotzdem jemanden zum Spielen findet. Kinder waren kaum da, dafür Senioren, die die ruhige Zeit vor den Ferien nutzen. Ein paar Tage später hatten die Ferien angefangen, und wir standen auf einer riesigen Anlage, die entsprechend voll war.
Einmal zu leer, einmal zu voll. In unserem Plan kam das Datum nicht vor, weil ich nicht danach gefragt hatte.
Halluziniert hat die KI dabei nicht. Alle Angaben stimmten. Der eine Fehler war meiner: Nach den Ferienterminen habe ich nicht gefragt. Der andere ist schwerer zu greifen, weil ihn keine bessere Frage verhindert hätte.
Das hier ist der dritte Text einer Reihe darüber, was künstliche Intelligenz mit unserem Leben anstellt. Der erste handelte von der Kirche, der zweite von zu Hause. Dieser handelt vom Urlaub. Eine schlechte Antwort in einem Predigtentwurf merke ich beim Überarbeiten. Eine schlechte Antwort über einen Campingplatz merke ich erst vor Ort, und dann bleiben wir ein paar Tage, obwohl es vielleicht nicht passt.
Kuak Hulu
Die Fälle, die es in die Nachrichten schaffen, sind anders als meiner und vielleicht krasser. Sie machen aber deutlich, wo die Probleme liegen können.
Ein älteres Ehepaar aus Kuala Lumpur ist im Sommer 2025 rund 370 Kilometer nach Norden gefahren, in den malaysischen Bundesstaat Perak. Ziel war eine Seilbahn namens Kuak Skyride. Die beiden hatten auf TikTok ein Video gesehen: eine Reporterin fährt in der Gondel über bewaldete Hänge, spricht in die Kamera, interviewt begeisterte Besucher.
In Kuak Hulu fanden sie einen ruhigen Ort ohne Seilbahn. Das Video war vollständig von einer KI erzeugt, die Reporterin auch. Ein Beamter des Bezirks hat anschließend bestätigt, dass es dieses Projekt nicht gibt, und die Polizei hat davor gewarnt, solche Aufnahmen ungeprüft weiterzuverbreiten.
Ein zweiter Fall betrifft uns direkter. Anfang September 2025 sind zwei Wanderer zum Schmalhorn aufgebrochen, 1.953 Meter, die Route hatte ChatGPT geplant. Der Weg führte durch unwegsames Gelände, die beiden mussten mit dem Hubschrauber geholt werden. Die Bergwacht Oberstdorf hat den Einsatz einen gefährlichen Präzedenzfall genannt und rät von KI-gestützter Tourenplanung ab.
Etwa zur selben Zeit hat die Bergrettung Meran eine Gruppe erlebt, deren Tour eine KI zusammengestellt hatte: von Dorf Tirol über Martell an den Gardasee. Der vorgeschlagene Weg führte über einen Gletscher. Stefan Gruber, der die Bergrettungsstelle Meran leitet, sagte dazu, das sei nicht nur ein langer Wanderweg, sondern eine Route, die für unerfahrene Bergwanderer völlig ungeeignet sei. Die Gruppe war jung und sportlich und hatte nichts dabei, was man auf einem Gletscher braucht. Sie sind am Ende nicht losgelaufen, weil ihre Gastgeber im Quartier merkten, was da geplant war.
Kein Warnhinweis in einer App hat die Gruppe aufgehalten. Es war ein Mensch vor Ort, der die Gegend kannte. Auf einem Campingplatz ist das die Frau an der Rezeption, die fragt, wie hoch das Fahrzeug ist, bevor sie die Zufahrt erklärt.
Die meisten von uns erwischt es leiser: mit einem Plan, der stimmt und trotzdem am Ziel vorbeigeht.
Zwei Meter fünfundachtzig
Unser Movano ist ein ausgebauter Kastenwagen, Baujahr 2023, mit nachgerüstetem Schlafdach. Leer wiegt er 3.078 Kilogramm, zugelassen für 3.500 Kilogramm, und vor dem letzten Frankreich-Urlaub standen 3.480 Kilogramm auf der Industriewaage. Über diese 422 Kilogramm Zuladung und darüber, was sie mit unserem Packen machen, habe ich im letzten Camping-Text geschrieben.
Für die Routenplanung zählt eine zweite Zahl genauso: 2,85 Meter. So hoch ist er mit dem Schlafdach. Es ist die Zahl, an die wir beim Fahren nicht denken, bis wir vor einer Schranke, einer Unterführung oder einem tief hängenden Ast stehen. Die kürzeste Verbindung ist für uns deshalb fast nie die richtige. Ein voll beladener Kastenwagen bremst anders, wendet anders und passt nicht überall durch.
Zufahrten zu Campingplätzen sind der wunde Punkt. Beim Mas de Champel in der Ardèche wurde die Straße auf den letzten Kilometern enger, als uns lieb war, aber das war ein Vier-Sterne-Platz einer französischen Kette, kein Geheimtipp im Wald.
Ein Navigationssystem, das nichts über Höhe, Breite und Gewicht weiß, plant eine Strecke für einen Golf. Das ist keine neue Erkenntnis und auch kein KI-Problem. Aus demselben Grund bleiben seit Jahren Lkw in Feldwegen stecken. Wer als Camper unterwegs ist, kennt die Gegenmittel: ein Profil für Wohnmobile oder Lkw, ein Blick in die Satellitenansicht, bevor man abbiegt.
Neu ist etwas anderes. Ein Navigationsgerät hat mir früher eine Strecke ausgerechnet und mir nicht erklärt, warum sie schön ist. Wenn ich heute eine KI nach der Fahrt von Sérignan nach Font-Romeu frage, bekomme ich eine Etappenempfehlung mit Begründung, mit Pausenvorschlag und mit einem Satz darüber, wie sich die Landschaft verändert. Das liest sich wie ein Reisebericht. Es ist aber keiner, weil dort nie jemand gefahren ist.
Zwei verschiedene Fehler
Nur einen meiner beiden Fehler kann ich beim nächsten Mal vermeiden.
Die Ferientermine hätte ich vorgeben können. Wer vor dem 5. Juli unterwegs ist, hat halbleere Plätze, freie Straßen und niedrigere Preise. Wer danach fährt, teilt sich das Land mit allen anderen. Das steht in einem Kalender, ich hätte nur danach fragen müssen, und beim nächsten Mal frage ich danach.
Ich kann eine KI auch bitten, von sich aus Rückfragen zu stellen, und das tut sie dann. Sie kommt nur nicht auf das, woran ich selbst nicht gedacht habe.
Die KI arbeitet mit den Parametern, die man ihr gibt. Was ich nicht dazusage, existiert für sie nicht. Und dass es gefehlt hat, merke ich erst am Ziel.
Der Eyrieux ist ein anderer Fall. Es gibt keine Frage, mit der ich die richtige Antwort bekommen hätte. Auf „Wie viel ist an diesem Fluss mit zwei Kindern möglich?“ folgt eine Auskunft, und sie klingt vernünftig. Wie viel dort tatsächlich möglich war, hing an einem Pegelstand im Sommer 2026 und daran, was zwei Kinder nach zehn Minuten im Pool noch vorhaben.
Dasselbe gilt für den kleinen Platz und die Senioren. Wie ein Campingplatz ist, hängt davon ab, wer sonst dort steht. Das steht in keiner Datenbank. Wer in derselben Woche dort war, wusste es, und sonst niemand.
Bei einer schlechten Antwort werde ich misstrauisch und prüfe nach. Bei einer Auskunft, die stimmt und trotzdem nicht reicht, passiert das nicht.
Vierhundert Inspektoren
Wer einen Campingplatz suchte, schlug ihn nach. Der ADAC Campingführer 2026 beschreibt rund 5.500 Plätze, verteilt auf zwei Bände, jeden davon mit einer Sterneklassifikation.
Wie so eine Bewertung zustande kommt, beschreibt der niederländische Anbieter ACSI am ausführlichsten. Fast 400 Inspektoren fahren jährlich etwa 10.000 europäische Plätze ab, mit einer Liste von über 250 Punkten. Wer eine Inspektion hinter sich hat, bekommt einen Aufkleber für die Rezeption, mit Jahreszahl. Man kann also nachsehen, ob jemand da war.
Die Apps kamen später. Park4night listet inzwischen über 160.000 Orte, eingetragen von Nutzern, mit Fotos und Kommentaren. Die Plätze sind nicht geprüft, viele sind rechtlich heikel, in Deutschland ist Wildcampen verboten und ein Parkplatz im Wald bleibt ein Parkplatz im Wald. Trotzdem: Irgendwann stand dort tatsächlich ein Fahrzeug, und jemand hat sich die Mühe gemacht, das aufzuschreiben.
Ein Campingführer konnte falsch liegen. Er lag für alle gleich falsch, und man konnte ihn jemandem unter die Nase halten.
Bei einer Community-App ist das schwächer. Die Angabe stammt von einer Privatperson, sie kann veraltet sein, sie kann geschönt sein. Prüfbar bleibt sie trotzdem, weil andere Nutzer darunter schreiben, dass die Schranke seit April zu ist.
Eine generierte Empfehlung lässt sich nicht einmal so prüfen. Sie entsteht in dem Moment, in dem ich frage, sie ist auf meine Frage zugeschnitten, und außer mir hat sie niemand gesehen. Es gibt niemanden, der widerspricht, weil es niemanden gibt, dem dieselbe Antwort gegeben wurde.
Bemerkenswert finde ich, dass beides inzwischen aus demselben Haus kommt. Der ADAC gibt weiterhin den gedruckten Campingführer heraus und betreibt seit Ende 2025 zusätzlich einen KI-Reiseassistenten, der Fragen zu Einreise, Maut, Verkehrsregeln und Sehenswürdigkeiten beantwortet. Der Verein wirbt damit, dass die Antworten auf geprüftem ADAC-Expertenwissen beruhen, und ich halte das für den vernünftigsten Weg, den ein Anbieter hier gehen kann. Nur bleibt für den Nutzer am Ende beides ein Chatfenster. Ob die Antwort aus dem geprüften Bestand kommt oder ob das Modell sie nur gut formuliert hat, sieht man ihr nicht an.
Die Karte, auf die wir jeden Morgen geschaut haben
Wir waren in dem Sommer in Frankreich, in dem es gebrannt hat.
Vom 4. bis zum 19. Juli 2026 lag eine Hitzewelle über dem Land, sechzehn Tage, eine der längsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Bis zum 27. Juli waren rund 116.000 Hektar verbrannt. Im bisherigen Rekordjahr 2022 waren es im ganzen Jahr 66.337 Hektar gewesen. Der Innenminister hat die Evakuierungen später die größte zivile Räumungsaktion Frankreichs außerhalb von Kriegszeiten genannt.
Das war nicht weit weg von uns. Anfang Juli brannten in den Aspres rund 4.900 Hektar, über zwanzig Gemeinden haben zeitweise Bewohner evakuiert. Das ist dasselbe Département, in dem wir kurz darauf auf 1.800 Metern standen. Am 2. Juli sprang ein Feuer bei Sainte-Marie-la-Mer über die Têt nach Canet-en-Roussillon, wo zwischen 1.500 und 3.000 Menschen aus den Anlagen geholt wurden. Küstencamping im Hochsommer.
Wir haben in diesen Wochen jeden Morgen dasselbe angesehen: die Météo des forêts. Météo-France veröffentlicht darin für jedes Département täglich eine von vier Stufen, grün, gelb, orange, rot. Bei hoher Gefahr sperren die Präfekturen Waldwege und verhängen Feuerverbote. Eine Karte mit vier Farben, mehr ist das nicht.
Die Rechenleistung hinter dieser Karte hat sich in den letzten zwei Jahren stark verändert. Das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage hat am 25. Februar 2025 sein KI-gestütztes Vorhersagesystem AIFS in den operationellen Betrieb genommen, seit dem 1. Juli 2025 läuft auch die Ensemble-Variante. Es schlägt klassische physikbasierte Modelle in vielen Kennzahlen, bei den Zugbahnen tropischer Wirbelstürme um bis zu 20 Prozent, und braucht für eine Vorhersage etwa den tausendsten Teil der Energie. Der Deutsche Wetterdienst arbeitet mit AICON an einem eigenen Modell dieser Art, das ICON ergänzen und nicht ersetzen soll.
Das Zweite, was wir benutzt haben, ist eine App namens Feux de Forêt. Dort tragen Nutzer Brände ein, mit Standort und Fotos, und die Karte zeigt sie in drei Farben: Rot für ein aktives Feuer, Orange für ein gemeldetes, Schwarz für ein gelöschtes. Anthony Montardy, ein freiwilliger Feuerwehrmann aus Ille-sur-Têt in den Pyrénées-Orientales, hat sie gebaut. In diesem Sommer war sie zeitweise die meistgeladene kostenlose App Frankreichs.
Künstliche Intelligenz steckt darin nicht. Es sind Leute, die melden, was sie sehen, und sie war das Aktuellste, was wir hatten.
Für eine Familie in einem Kastenwagen ist die Wettervorhersage die wertvollste KI-Anwendung, die es derzeit gibt, und die einzige, bei der ich keinen Vorbehalt habe. Gefragt habe ich in diesen Wochen trotzdem keine KI, ob es sicher ist. Ich habe auf eine Behördenkarte mit vier Farben geschaut und auf eine App, in die Leute eintragen, was vor ihrer Haustür brennt.
Wer die Empfehlung bezahlt
Camping ist längst kein Nischenmarkt mehr. 2025 wurden in Deutschland 44,7 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen gezählt, 4,2 Prozent mehr als im Jahr davor und ein Viertel mehr als 2019. Jede elfte Übernachtung im deutschen Tourismus findet inzwischen auf einem Campingplatz statt. Die Preise sind entsprechend gestiegen: Wohnmobilstellplätze lagen 2025 um 32,2 Prozent über dem Niveau von 2020, die Campingplatzgebühr um 28,7 Prozent.
Wo solche Zahlen mit einem solchen Marktwert dahinter stehen, ist der Softwaremarkt natürlich auch lukrativ. Der Bundesverband der Campingwirtschaft führt auf seinen Seiten zur Digitalisierung einen eigenen Abschnitt zu KI für Campingplätze. Anbieter von Platzverwaltungssoftware werben mit dynamischer Preisgestaltung, bei der Auslastung, Schulferien, Wetter und lokale Veranstaltungen automatisch in den Preis einfließen. Die ADAC-Tochter PiNCAMP hat rund 4.000 Plätze direkt buchbar gemacht, mit Echtzeitpreisen. Park4night ist kostenlos und verkauft daneben eine Bezahlversion ohne Werbung und mit Offline-Karten.
Der 5. Juli, den ich beim Planen übersehen habe, steht in diesen Systemen längst drin. Auf der Betreiberseite rechnet die Software mit den französischen Ferien, auf meiner Seite hing es daran, ob ich zufällig daran dachte. Das ist keine Verschwörung. Wer den ganzen Sommer über Preise setzt, kennt seinen Kalender auswendig. Ich plane einmal im Jahr eine Reise.
Nichts davon ist verwerflich. Ein Campingplatz ist ein Betrieb, und wer im Juli seine Wiese voll bekommt und im September nicht, hat ein Auslastungsproblem, das mit Preisen zu tun hat. Für mich als Gast ändert sich trotzdem etwas. Früher stand der Preis in der Preisliste, und alle zahlten denselben. Bei dynamischer Preisgestaltung hängt er davon ab, wann ich buche und wie voll der Platz an diesem Tag schon ist.
Mit KI lässt sich in diesem Markt auch anders Geld verdienen. Auf Amazon häufen sich seit Jahren mutmaßlich KI-generierte Reiseführer mit falschen Angaben, erfundenen Orten und gefälschten Fünf-Sterne-Bewertungen. In einem Band über Hamburg mit Kindern wird ein Szene-Café mit Spielecke empfohlen, das keine hat, eine nächtliche Kneipe als kinderfreundlich beschrieben und ein Schwimmbad genannt, das es nicht gibt. Christian Sprang, Jurist beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels, weist darauf hin, dass solche Bücher schon immer existierten, sich mit KI aber sehr viel einfacher herstellen lassen und deshalb sehr viel zahlreicher werden. Die Autoren, die tatsächlich hingefahren sind, werden im Ranking verdrängt.
YouGov hat vom 22. bis 26. Mai 2026 gut 2.000 Menschen in Deutschland befragt: 24 Prozent können sich vorstellen, ihre Reise mit KI zu planen, 11 Prozent haben es bereits getan, und wer es tut, benutzt zu 60 Prozent einen allgemeinen Assistenten wie ChatGPT, Gemini oder Claude. 39 Prozent bevorzugen weiterhin Empfehlungen von Menschen.
Stefan Kreppel, der bei der Österreich Werbung die Stabsstelle für Digitalisierung, Innovation und Strategie leitet, sagt dazu: „KI ergänzt. Sie ersetzt weder das persönliche Erlebnis noch die Gastfreundschaft.“ Für die Arbeit einer Tourismusorganisation stimmt das vermutlich. Für die Frage, wie ein Gast auf einen Platz kommt, greift es zu kurz. Ein Werkzeug, das mir hilft, etwas zu finden, zeigt mir mehr Möglichkeiten, während eines, das mir sagt, wonach ich suchen soll, mir weniger zeigt.
Was ich mir selbst nicht beantworten kann
Ich hätte gern, dass mir jemand den perfekten Platz heraussucht.
Beim Planen dieser Reise habe ich mehrfach gedacht: Wenn das Ding mir jetzt einfach sagen würde, welcher der Plätze in dieser Gegend schattig ist, große Stellplätze hat und uns mit dem Movano reinlässt, wäre mir sehr geholfen.
Die Suche selbst ist keine schöne Beschäftigung. Sie besteht aus zwanzig geöffneten Tabs, aus Bewertungen von Leuten mit ganz anderen Ansprüchen, aus Fotos, die vor zehn Jahren aufgenommen wurden. Wer behauptet, das sei ein wertvoller Teil des Reisens, hat es länger nicht gemacht.
Warum mich der Gedanke trotzdem stört, kann ich nicht sauber begründen. Es hat etwas damit zu tun, dass eine gute Empfehlung bisher immer von jemandem kam, der etwas riskiert hat. Der Inspektor setzt seinen Namen unter den Bericht. Der Nutzer bei park4night steht mit seinem Konto dafür ein, dass die Zufahrt passt.
In Sérignan Plage haben wir abends mit anderen Deutschen ein Glas Wein getrunken, und die haben uns erzählt, was sich in der Gegend lohnt. Als Camper kommen wir schnell ins Gespräch, das ist einer der Gründe, warum wir so reisen. Und wer einem dabei etwas empfiehlt, sitzt am nächsten Abend wieder daneben.
Eine generierte Empfehlung riskiert nichts. Wenn sie falsch liegt, hat das für sie keine Folgen.
Ob das ein Argument ist oder eine Marotte, weiß ich nicht. Ich merke nur, dass ich die Fahrzeiten längst der KI überlasse und den Platz immer noch selbst aussuche.
Sechs Tage nichts
Unsere besten Abende der letzten Jahre haben wir Fehlern zu verdanken.
Am Eyrieux haben wir dann Dinge gemacht, die in keiner Vorgabe standen. Die Dolce Via, ein Radweg auf einer 1968 stillgelegten Bahntrasse, knapp 90 Kilometer fast ohne Steigung, durch Tunnel und über Viadukte. Zum Radfahren war es uns zu heiß, wir sind ein Stück zu Fuß gegangen. Das Château de la Chèze in Le Cheylard, dreizehntes Jahrhundert, 1944 von deutschen Truppen niedergebrannt und danach jahrzehntelang von Freiwilligen wieder aufgebaut.
Und in Font-Romeu sechs Nächte auf 1.800 Metern, in denen wir auffällig wenig unternommen haben. Das ist der Teil der Reise, über den die Kinder heute noch reden. In keinem Kriterium, das ich vorgegeben habe, kam vor, dass wir sechs Tage lang nichts tun wollen.
Eine gute Routenplanung entfernt genau diese Fehler. Das ist ihre Aufgabe, und sie erfüllt sie besser, als ich es könnte. Sieben Jahre lang waren wir Zeltfamilie, und ich habe damals mit Google Maps und mit Rezensionen geplant, von denen ich Tausende gelesen habe. Danach habe ich jedes Mal umgeplant. Ich will das nicht zurück. Es war nicht besser, es war nur langsamer.
Am Ende des ersten Textes dieser Reihe stand die Frage, ob am anderen Ende einer Botschaft noch jemand ist, der sie auch lebt. Im zweiten ging es darum, ob meine Kinder noch merken, wann sie selbst gedacht haben. Beim Camping stellt sie sich handfester. Sie lautet, ob wir noch irgendwo ankommen, wo uns niemand hingeschickt hat.
Ich werde den nächsten Sommer wieder so planen. Die Kriterienliste wird länger: was es für zwei Kinder zu tun gibt, ohne dass wir dafür ins Auto steigen. Der Pegelstand des Flusses, an dem wir stehen. Die Ferientermine der Länder, durch die wir fahren. 2,85 Meter Höhe und die Zufahrt, gegengeprüft in der Satellitenansicht.
Vollständig wird die Liste nicht. Auf ihr steht nur, was ich beim letzten Mal vermisst habe.
Die Arbeitsteilung ist für mich damit geklärt. Die KI macht die Vorauswahl: Strecken, Fahrzeiten, Mautkosten, und welche Plätze nach den harten Kriterien überhaupt in Frage kommen. Das ist die Arbeit, für die ich früher mehrere Abende gebraucht habe, und sie macht sie schneller und gründlicher als ich. Die Entscheidung, auf welchen Platz wir dann tatsächlich fahren, treffe ich weiter selbst. Dafür lese ich, was Leute geschrieben haben, die dort waren, und im Zweifel schreibe ich dem Platz eine Mail und frage, wie voll es in der zweiten Juliwoche ist.
Wer das umdreht und die KI aussuchen lässt, bekommt genau das, was er beschrieben hat. Ob er das wollte, merkt er vor Ort.
Deshalb buche ich die Reise nicht mehr bis zur letzten Nacht durch. Zwei, drei Tage bleiben offen. Der erste Grund ist praktisch: Wer im Juli in Südfrankreich steht, muss weiterfahren können, wenn ein Département auf Rot springt. Der Zweite: Ich will Platz lassen für etwas, das ich nicht geplant habe. Die Stellen, an die wir uns in fünf Jahren erinnern, standen bisher in keinem Plan.
Euer
Mathis
Foto von Jordan Irving auf Unsplash
Quellen und weiterführende Lektüre
Fall „Kuak Skyride“, Malaysia – Berichte über ein Ehepaar aus Kuala Lumpur, das rund 370 Kilometer nach Kuak Hulu im Bundesstaat Perak fuhr, um eine Seilbahn zu besuchen, die es nicht gibt. Grundlage war ein vollständig KI-generiertes TikTok-Video samt erfundener Reporterin. Dokumentiert u. a. bei watson.de, simagazin.com und t3n.de (November 2025). Der klarste Einzelfall dafür, wie weit Menschen einem erfundenen Ort hinterherfahren.
Bergrettung Meran / Bergwacht Oberstdorf – KI-geplante Touren im Alpenraum, September 2025: die Hubschrauberrettung zweier Wanderer am Schmalhorn (1.953 m) nach einer von ChatGPT geplanten Route sowie die von einer KI vorgeschlagene Verbindung von Dorf Tirol über Martell an den Gardasee, die über einen Gletscher führte. Stefan Gruber, Leiter der Bergrettungsstelle Meran, wird zitiert. Aufbereitet bei 20min.ch, nau.ch und indenbergen.de. Der Abschnitt, der mich beim Schreiben am längsten beschäftigt hat, weil die Gruppe nicht durch Technik gestoppt wurde, sondern durch ihre Gastgeber.
ACSI – Das Inspektionsteam (acsi.eu). Fast 400 Inspektoren, jährlich rund 10.000 europäische Campingplätze, eine Prüfliste mit über 250 Punkten, dazu der datierte Aufkleber an der Rezeption. Wer wissen will, was hinter einer geprüften Platzbeschreibung tatsächlich für Arbeit steckt, findet es hier.
ADAC – ADAC Campingführer 2026 (adac.de). Rund 5.500 Campingplätze in zwei Bänden, 2.600 für Deutschland und Nordeuropa, 2.900 für Südeuropa, jeweils mit ADAC-Sterneklassifikation. Angaben nach der Produktseite des ADAC; wann der Führer zum ersten Mal erschienen ist und nach welchem Schema der ADAC selbst klassifiziert, habe ich aus öffentlich zugänglichen Quellen nicht sauber belegen können und deshalb weggelassen.
ADAC – KI-Reise-Assistent (adac.de/reise-freizeit/ki-reise-assistent-info). Der Chatbot des Vereins, nach eigenen Angaben auf geprüftem ADAC-Expertenwissen aufgebaut; die zugehörige Datenschutzerklärung datiert vom 4. Dezember 2025. Interessant vor allem als Beispiel dafür, dass geprüfte und generierte Auskunft beim Nutzer in derselben Oberfläche ankommen.
park4night – Über 160.000 von Nutzern eingetragene Orte, kostenlose Basisversion und kostenpflichtiges park4night+. Zur Kritik daran (Rechtslage, überrannte Plätze, Reaktionen der Gemeinden) siehe hinterland.camp, explorer-magazin.com und womoguide.de. Lesenswert auch dort, wo es meiner Sympathie für die App widerspricht.
Zu den Waldbränden in Frankreich 2026 – Waldbrände in Frankreich 2026 (de.wikipedia.org) mit Belegen zur Hitzewelle vom 4. bis 19. Juli, zu den rund 116.000 Hektar bis zum 27. Juli und zum Großbrand in den Aspres (Pyrénées-Orientales, rund 4.900 Hektar, über zwanzig betroffene Gemeinden). Ergänzend die Chronologie bei meinfrankreich.com, in der auch das Feuer vom 2. Juli bei Sainte-Marie-la-Mer und die Räumung in Canet-en-Roussillon dokumentiert ist, sowie die Zwischenbilanz bei fireworld.at (Stand 1. August 2026).
Schulferien Frankreich 2026 – Die Sommerferien liefen für die Zonen A, B und C einheitlich vom 5. Juli bis zum 31. August 2026; Korsika und die Überseegebiete weichen ab (schulferien.org). Das Datum, das in meinem Plan fehlte, und der Grund, warum sich ein Campingplatz in Frankreich innerhalb einer Woche komplett verändert.
Feux de Forêt – Die App und die Website feuxdeforet.fr, auf der Nutzer Brände mit Standort und Foto melden; entwickelt von Anthony Montardy, freiwilliger Feuerwehrmann in Ille-sur-Têt (Pyrénées-Orientales). Zahlen und Hintergrund bei franceinfo und byothe.fr. Wir haben sie im Sommer 2026 neben der Météo des forêts benutzt, und sie war das aktuellste, was wir hatten, ganz ohne künstliche Intelligenz.
Météo-France – Météo des forêts (meteofrance.fr). Die tägliche vierstufige Waldbrandgefahrenkarte pro Département, Grundlage für Wegesperrungen und Feuerverbote durch die Präfekturen. Für uns im Sommer 2026 die wichtigste Seite überhaupt, und bezeichnenderweise die mit der einfachsten Oberfläche.
ECMWF – ECMWF's AI forecasts become operational (ecmwf.int, Februar 2025) sowie die Inbetriebnahme des AIFS-Ensembles am 1. Juli 2025. Rund 1.000-fach geringerer Energiebedarf pro Vorhersage, Verbesserungen von bis zu 20 Prozent bei Zugbahnen tropischer Wirbelstürme. Die unspektakulärste und für uns nützlichste KI-Anwendung in diesem Text.
Deutscher Wetterdienst – Zwischen Physik und Künstlicher Intelligenz. Wie KI die Wettervorhersage verändert (dwd.de, Thema des Tages, 21. Juli 2026). Zum KI-Modell AICON und dazu, warum es ICON ergänzt statt ersetzt.
Statistisches Bundesamt – Camping boomt weiter: 44,7 Millionen Übernachtungen im Jahr 2025 (Pressemitteilung N020, März 2026, destatis.de). Plus 4,2 Prozent gegenüber 2024, ein Viertel über dem Vorpandemiejahr 2019, jede elfte Übernachtung im deutschen Tourismus. Enthält auch die Preisentwicklung seit 2020.
YouGov – Maßgeschneiderte Reisen per Prompt (yougov.de, Erhebung vom 22. bis 26. Mai 2026, 2.058 Befragte ab 18 Jahren, Autor: Marte Wulff). Die Zahlen zur KI-Nutzung bei der Reiseplanung in Deutschland, aufgeschlüsselt nach Anwendungsbereich und verwendetem Werkzeug.
Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland (BVCD) – Abschnitt KI für Campingplätze im Bereich Digitalisierung (bvcd.org). Der Blick von der anderen Seite der Schranke, inklusive dynamischer Preisgestaltung.
Zu KI-generierten Reiseführern – Der neueste KI-Scam auf Amazon: Fake-Reiseführer (t3n.de) sowie die Aufbereitung bei reisevor9.de und futurezone.at, mit den Beispielen aus dem Band über Hamburg mit Kindern und der Einschätzung von Christian Sprang vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.
Stefan Kreppel (Österreich Werbung, Leiter der Stabsstelle Digitalisierung, Innovation und Strategie) – zitiert in Wie KI unser Reiseverhalten verändert, Wiener Zeitung. Die freundlichste Deutung der Entwicklung, die ich gefunden habe, und deshalb die, an der man sich am besten abarbeiten kann.
Mathis Hochhaus – KI in der Kirche: Die Predigt, die ich nicht allein geschrieben habe und KI in der Familie: Das Referat, bei dem ich danebensaß (derhochhaus.de). Teil 1 und Teil 2 dieser Reihe. Außerdem Das leidige Thema Gewicht zu den 3.500 Kilogramm, die in diesem Text mehrfach vorkommen, sowie die Platzberichte zu Mas de Champel und Huttopia Font-Romeu.
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