Der Mann mit dem Hammer und ich
Irgendwo zwischen Kilometer 170 und 200 kommt er. Wer ihn kennt, weiß, wovon ich rede. Wer nicht – der sollte vielleicht trotzdem weiterlesen.

Der Mann mit dem Hammer und ich
Es hat 2018 angefangen – und es war eigentlich keine Idee, sondern eine Frage.
Wir hatten mit Jugendlichen eine mehrtägige Fahrradtour gemacht. Von Freiburg nach Ingelheim. Mehrere Tage, Etappen, Übernachtungen, das volle Programm. Irgendwann danach habe ich mich gefragt: Was wäre, wenn ich das an einem Tag fahre? Die gleiche Strecke. Allein, auf dem Rennrad, ohne Pause zum Schlafen.
Ich habe es gemacht. Es hat geklappt.
Das war mein erstes Mal über 300 Kilometer. Seitdem habe ich das noch fünf weitere Male gemacht. Dazu noch sieben Mal über 250 Kilometer. Nicht weil ich ein Profi bin oder weil mich irgendjemand dafür bezahlt. Sondern weil ich irgendwann gemerkt habe: Das ist etwas, das mir etwas gibt. Und ich wollte verstehen, was genau.
Ich bin kein Ausnahmeathlet. Ich bin Pastor, Vereinsvorsitzender, Vater – jemand, der aufs Rennrad steigt, wenn zwischen den anderen Dingen des Lebens Zeit übrig bleibt. Keine Trainingsplanung, keine Leistungsdiagnostik. Einfach rausfahren, lange, mit einem Freund, auf Strecken, die sich lohnen. Dass dabei irgendwann die 300 Kilometer zur Normalität geworden sind, hat mich selbst überrascht. Und vielleicht ist genau das das Interessante daran.
Wer 150 kann, kann auch 300
Das ist der Satz, der mich am meisten überrascht hat. Nicht eine Trainingsweisheit aus einem Buch – sondern eine Erkenntnis, die ich selbst gemacht habe, nach mehreren hundert Kilometern auf verschiedenen Strecken.
300 Kilometer klingt nach einer anderen Welt als 150. Als wäre da eine Grenze, die nur besondere Menschen überschreiten. Profis. Hartgesottene. Menschen mit mehr Zeit, mehr Disziplin, mehr irgendetwas. Das stimmt nicht.
Der Körper, der 150 Kilometer verarbeiten kann, ist auch in der Lage, 300 zu fahren – wenn ich es richtig angehe. Das Geheimnis, soweit es eines gibt, ist das Tempo. Wer 150 Kilometer in einem Zug fährt und danach noch laufen kann, hat bewiesen, dass der Motor funktioniert. Die zweiten 150 kosten mehr – aber sie sind machbar. Der Körper gewöhnt sich an die Belastung, während die Belastung noch läuft. Klingt komisch. Stimmt aber. Ich werde nicht schwächer im Lauf eines langen Tages. Ich werde anders – ruhiger irgendwie, geduldiger mit mir selbst.
Langsam herantasten, ja. Klug planen, unbedingt. Aber die Grenze ist keine physische Wand. Sie ist eine Vorstellung. Und Vorstellungen lassen sich verschieben.
Und genau darum geht es in diesem Text.
4 Uhr morgens – und dann
Über den Start um 4 Uhr habe ich an anderer Stelle schon geschrieben. Die Stille, die morgendliche Leere auf den Straßen, das Gefühl, der einzige Mensch zu sein, der gerade unterwegs ist. Das bleibt. Jedes Mal.
Ich starte motiviert. Immer. Die erste Stunde ist ein Geschenk – der Körper ist frisch, die Luft ist kühl, und ich habe 300 Kilometer vor mir, die sich in diesem Moment noch wie eine Einladung anfühlen, nicht wie eine Last. Ich groove mich ein, finde den Rhythmus, höre dem eigenen Atem zu.
Die ersten 50 Kilometer gehen von der Hand. Fast erschreckend einfach. Ich denke: Wenn das so weitergeht, ist das kein Problem. Das denke ich wirklich. Und es stimmt sogar – für diese 50 Kilometer.
Die zweiten 50 Kilometer sind die schönsten. Ich bin drin, der Körper läuft, ich kann reden, beobachten, denken. Ich bin die meisten langen Fahrten mit einem Freund zusammen gefahren – fünf der sechs 300er waren wir zu zweit. In dieser Phase, zwischen Kilometer 50 und 100, läuft das Gespräch von selbst. Wir erzählen, lachen, kommentieren die Landschaft. Es ist Rennradfahren im besten Sinne.
Die Kunst der Planung
Was dabei oft unterschätzt wird: Eine 300-Kilometer-Fahrt ist auch eine Logistikaufgabe.
Wir haben gelernt, dass es sich bewährt, in den ersten vier Stunden keinen Supermarkt zu brauchen. Das heißt: genug dabei haben von Anfang an. Riegel, Gels, Wasser, ein Sandwich für unterwegs. Was ich in diesen ersten Stunden futtere, entscheidet mit darüber, wie ich mich am Nachmittag fühle. Wer zu spät isst, zahlt es später. Der Körper merkt sich sowas.
Je länger die Fahrt geht, desto kürzer werden die Abstände zwischen den Stopps. Nicht weil die Kraft nachlässt – obwohl das auch passiert –, sondern weil der Körper anfängt, schneller aufzubrauchen, was er hat. In der ersten Hälfte reichen große Abstände. In der zweiten Hälfte werde ich kleinlicher, aufmerksamer, vorausschauender. Ich denke dann wie ein Wanderer in der Wüste: Was habe ich, was brauche ich, wie weit ist es noch bis zum nächsten Punkt?
Bei 30 Grad, wie wir es einmal hatten, wird das zur entscheidenden Frage: Wann kommt die nächste Stadt mit einem Supermarkt? Wie viel Wasser habe ich noch? Reicht es bis dahin? Das ist kein angenehmer Gedanke bei Kilometer 220, aber er hält einen wach. Manchmal im doppelten Sinne.
Auf neuen Strecken setze ich mir immer Wegpunkte. Nicht nur als Navigation, sondern als mentale Anker. Ich bin mit drei verschiedenen Routen von Ingelheim in die Vogesen gefahren – und jedes Mal habe ich mir vorher überlegt: Wann kommt dieser eine Berg? Wann bin ich am Fluss, und wie lange fahre ich ihn entlang? Wo ist eine Stadt, in der ich eine echte Pause machen kann, mit einem Tisch und einem Kaffee?
Diese Wegpunkte sind keine Pflichtaufgaben. Sie sind Versprechen, die die Strecke einem macht. Der Berg kommt. Der Fluss kommt. Der Supermarkt kommt. Und wenn er da ist, ist er ein kleines Fest.
Dazu kommen die runden Zahlen. 100 Kilometer ist ein Moment. Nicht zum Feiern, eher zum kurzen Innehalten – ein Drittel geschafft, der Tag läuft. 200 Kilometer ist ein anderer Moment: Jetzt sind es noch 100. Eine Zahl, die ich kenne. Die ich hundertmal gefahren bin. Auf einmal klingt der Rest machbar. Und 250 – das ist der Punkt, an dem ich mir erlaube zu denken: Es wäre absurd, jetzt aufzuhören.
150 Kilometer – und es ist noch nicht Mittag
Das ist der Moment, auf den ich mich bei jeder langen Fahrt freue.
Ich schaue auf den Tacho, und da steht: 150. Die Hälfte. Und dann auf die Uhr – und es ist halb zwölf. Oder elf. Oder, an einem guten Tag, kurz nach zehn.
Das ist ein psychologischer Turbo.
Die zweite Hälfte fühlt sich anders an als die erste. Nicht leichter. Aber bekannter. Ich weiß jetzt, wie meine Beine klingen, wenn sie reden. Ich kenne das Gefühl, wenn der Körper eine kurze Auszeit braucht – und ich kenne den Unterschied zwischen "ich brauche eine Pause" und "ich höre nur kurz auf zu treten, weil mein Kopf faul wird".
Nach der ersten Ruhepause – in der ich esse, mich strecke, kurz einfach nur stehe – braucht es einen Moment, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Das Anfahren ist jedes Mal ein kleiner innerer Kampf. Der Körper hat sich kurz daran erinnert, dass es auch Stehen gibt. Ich muss ihn sanft, aber bestimmt davon überzeugen, dass das keine Option ist.
170 bis 200 – das ehrliche Stück
Irgendwo zwischen Kilometer 170 und 200 wird es ehrlich.
Die Kraft lässt nach. Nicht dramatisch, nicht auf einen Schlag – aber ich spüre es. Die Beine werden schwerer. Der Hintern fängt an, Meinung zu haben – laut und deutlich. Das Lenkerhalten kostet mehr Aufmerksamkeit als vorher. Die Schultern tun weh, weil ich sie seit Stunden in derselben Position halte, ohne es zu merken. Ich fahre noch, ich fahre gut – aber es wird Arbeit.
Was physiologisch passiert: Der Körper hat seine Glykogenspeicher weitgehend aufgebraucht und stellt auf Fettverbrennung um. Das kostet. Rennradfahrer nennen diesen Moment „wenn der Mann mit dem Hammer kommt" – plötzlich fühlt sich alles schwerer an, langsamer, zäher. Das ist kein Zeichen, dass etwas falsch läuft. Es ist eine Umschaltung. Wer das kennt und erwartet, kommt besser durch als jemand, der davon überrascht wird.
Hier trennt sich, glaube ich, das Mentale vom Physischen. Der Körper könnte theoretisch aufhören. Er sendet Signale, die unmissverständlich sind. Und der Kopf entscheidet, was er damit macht.
Was ich gelernt habe: Der Körper lügt manchmal. Nicht bosartig – er meint es gut. Er will schonen, schützen, aufhören. Aber das Gefühl bei Kilometer 180, dass "es nicht mehr geht", ist selten eine körperliche Wahrheit. Es ist eine mentale Wetterlage.
Ich habe mich irgendwann gefragt, warum das so ist – und bin auf die Forschung von Samuele Marcora gestoßen, einem Sportpsychologen, der sich genau damit beschäftigt. Sein Befund: Das Aufhören bei Ausdauersport ist fast immer eine Entscheidung des Gehirns, nicht eine Erschöpfung der Muskeln. Die Muskeln könnten meist noch weiter. Was kippt, ist die wahrgenommene Anstrengung – und die lässt sich verschieben. Durch Ablenkung, ein Gespräch, einen Grund, der größer ist als der Schmerz. Genau das passiert, wenn mein Freund in dem Moment etwas sagt, in dem ich gerade innerlich aufhören will.
Eine Pause, etwas essen, ein paar Schlucke trinken – und dann weiterfahren, als hätte der Kopf nichts gesagt.
Was mir dabei am meisten geholfen hat, war die Gemeinschaft. Wenn wir zu zweit fahren, haben wir nie gleichzeitig einen Durchhänger. Immer wenn ich auf die Idee gekommen bin, dass vielleicht doch die Bahn eine gute Erfindung ist, war mein Freund gerade in einem guten Moment. Und umgekehrt. Wir ziehen uns gegenseitig durch, ohne groß darüber zu reden. Ein Satz reicht manchmal: "Noch 80." Oder: "Der nächste Supermarkt ist in 12 Kilometern." Oder einfach nur: etwas trinken und weiterfahren.
Das schweißt zusammen. Stundenlang schweigend nebeneinander fahren, ohne dass es unangenehm wird. Wissen, wann der andere gerade kämpft, und ihn in Ruhe kämpfen lassen. Auf 300 Kilometern lernst du jemanden anders kennen als beim Abendessen. Das ist einer dieser Sätze, die ich trotzdem stehen lasse.
Was der Kopf macht
Das Erstaunlichste an sehr langen Fahrten ist, wie der Geist sich anpasst.
Ein normaler Tag besteht aus Unterbrechungen. Nachrichten, Gespräche, Aufgaben, Entscheidungen, wieder Nachrichten. Das Gehirn springt. Auf dem Rennrad ist das anders. Der Körper hat eine Aufgabe und löst sie, Stunde um Stunde. Der Kopf darf irgendwo anders sein.
Warum das so funktioniert, hat mich irgendwann wirklich interessiert. Neurowissenschaftler erklären es so: Rhythmische Ausdauerbelastung dämpft den präfrontalen Kortex – also den Teil des Gehirns, der für Kontrolle, Planung und das ewige Grübeln zuständig ist. Gleichzeitig wird das sogenannte Default Mode Network aktiver, das für freie Gedanken und Tagträumen zuständig ist. Auf langen Touren wird der Kontrolleur leise, und der Rest darf reden. Forscher der Stanford University haben außerdem gezeigt, dass Bewegung kreatives Denken messbar steigert – und der Effekt hält noch eine Weile nach der Einheit an.
Das deckt sich mit dem, was ich auf dem Rennrad erlebe. Ich habe auf langen Touren über Predigten nachgedacht, die ich halten will. Über Gespräche, die noch ausstehen. Über Dinge, die ich lange nicht zu Ende gedacht habe, weil im Alltag nie Platz dafür war. Auf dem Rennrad ist plötzlich Platz. Sechs Stunden, acht Stunden, manchmal zehn. Der Gedanke, den ich anfange, kann tatsächlich fertig werden.
Und dann gibt es Phasen, in denen ich einfach nur fahre. Keine Gedanken, keine Pläne. Nur die Straße, der Wind, das gleichmäßige Geräusch der Kette. Das ist selten in einem normalen Tag. Auf 300 Kilometern kommt es irgendwann von selbst.
Manchmal ist Konzentration nötig – auf einer engen Passstraße, bei einer langen schnellen Abfahrt, wenn der Verkehr dichter wird oder der Belag schlechter. Dann bin ich ganz da. Nicht beim Nachdenken, nicht beim Grübeln. Einfach auf dem Rennrad, auf dieser Straße, in diesem Moment.
Was ich sehe, wenn ich lange genug fahre
Und dann gibt es diese Momente, in denen ich die Umgebung wirklich sehe. Nicht wie jemand, der vorbeifährt. Sondern wie jemand, der drin ist.
Die kleinen Straßen in den Vogesen, durch die kein Lastwagen passt und an denen manchmal stundenlang kein Auto kommt. Ich fahre durch Dörfer, die ich nie besuchen würde, wenn ich mit dem Auto unterwegs wäre. Ich sehe Häuser, Gärten, Schilder in einem Dialekt, den ich nicht ganz verstehe. Langsam genug, um es wahrzunehmen – und schnell genug, um immer weiterzuziehen.
Den Kanal bei Straßburg bin ich entlanggefahren, bis ich irgendwann vergessen habe, wie lange schon. Flach, ruhig, kein Lärm. Das Wasser neben einem, die Bäume, und sonst nichts, was Aufmerksamkeit fordert. Das sind Kilometer, die sich wie ein Geschenk anfühlen.
Den Splügen-Pass in den Alpen bin ich hochgefahren, bis die Welt sich zusammengezogen hat auf das: noch ein Kehre, noch eine. Die Abfahrt danach war knallig, schnell, mit dem Gefühl, das Hochfahren gerade mit Zinsen zurückzubekommen. Für solche Momente stehe ich um vier Uhr auf.
Ich sehe das alles anders, mit schon 200 Kilometern in den Beinen. Nicht schlechter – anders. Ruhiger. Mit einer Art dumpfer Dankbarkeit. Ich bin müde, aber ich bin da. Wirklich da.
Gegenwind und 30 Grad
Es wäre gelogen, wenn ich nur die guten Tage beschreiben würde.
Einmal sind wir auf einer Strecke bei vollem Gegenwind gefahren. Nicht böig, nicht unregelmäßig – dauerhaft, gleichmäßig, gnadenlos. Ich trete und trete und trete, und die Geschwindigkeit, die ich sehe, passt einfach nicht zur Anstrengung, die ich spüre. Der Tacho zeigt 22 Kilometer pro Stunde, und die Beine arbeiten, als wäre ich am Berg.
Das geht an die Substanz – körperlich, aber vor allem mental. Irgendwann fange ich an zu rechnen: Noch wie viele Kilometer so? Wie lange dauert das noch? Diese Rechnungen helfen nicht. Sie machen es nur länger. Ich muss lernen, Erwartungen loszulassen. Die geplante Zeit gilt nicht mehr. Die geplante Energie reicht vielleicht nicht. Ich fahre trotzdem. Kilometer für Kilometer, ohne zu wissen, wann der Wind aufhört – oder ob er das überhaupt tut.
Bei 30 Grad ist es eine andere Herausforderung. Der Körper braucht Wasser in einem Tempo, das ich immer wieder unterschätze. Ein Supermarkt, der auf der Karte 20 Kilometer entfernt ist, wird zum fixen Ziel. Ich rechne: Wie viel habe ich noch? Wie lange dauert das? Kommt da vorher noch etwas?
Beide Male sind wir durchgekommen. Und beide Male war das Ankommen danach schöner als an einem leichten Tag. Das klingt nach einer dieser Weisheiten, die auf Postkarten stehen. Aber es stimmt: Was Widerstand kostet, hält sich länger in der Erinnerung. Widerstand macht das Ziel größer.
Am Ziel
300 Kilometer, manchmal etwas mehr. Irgendwann am Nachmittag oder frühen Abend – je nach Strecke, Wetter und Kräften. Man steigt ab, stellt das Rennrad irgendwo hin, und steht kurz einfach nur da.
Das Gefühl am Ziel lässt sich schlecht beschreiben, weil es so viele Dinge gleichzeitig ist. Erschöpfung, ja. Hunger, immer. Die Beine fühlen sich an wie Beton, der gerade erst angefangen hat abzubinden – noch warm, aber schwer. Der Rücken meldet sich. Der Hintern hat endgültig seinen Standpunkt formuliert.
Aber darunter: eine Stille, die nichts mit Müdigkeit zu tun hat. Ein Gefühl von: Das habe ich gemacht. Heute. Morgens um vier gestartet, jetzt am Ziel. Alles dazwischen war echt – die Straßen, die Berge, der Wind, die Momente der Zweifel und die Momente, in denen alles leicht war.
Ich denke dann manchmal daran, was wir abgefahren haben – auf einer Karte wäre das eine Strecke, für die die meisten das Auto nehmen würden, ohne groß nachzudenken. Ingelheim in die Vogesen und über den Kamm. Oder ins Sauerland. Oder die ganze Mosel entlang. An einem Tag. Mit dem Rennrad.
Das ist kein Leistungssport. Es ist eine Entscheidung. Eine gut geplante, konsequent durchgezogene Entscheidung. Sie verändert nicht die Welt. Aber sie verändert das Gefühl, was möglich ist.
Und das, ehrlich gesagt, ist das Wichtigste, was ich auf 300 Kilometern gelernt habe. Nicht über Druck auf den Pedalen, Ernährung oder Ausrüstung. Sondern darüber, dass der Kopf mehr kann, als er einem normalerweise glauben lässt.
Und ja – ich plane bereits die nächsten 300 Kilometer. Auch wenn ich gerade verletzt bin und es noch eine Weile dauern wird, bis das wieder möglich ist. Die Route steht trotzdem schon.
Euer Mathis
Quellen und weiterführende Lektüre
Johannes Fuss et al. – A runner's high depends on cannabinoid receptors in mice (PNAS, 2021). Zeigt, dass das typische Hochgefühl bei Ausdauersport auf Endocannabinoide zurückgeht – nicht, wie lange angenommen, auf Endorphine.
Marily Oppezzo & Daniel Schwartz – Give Your Ideas Some Legs: The Positive Effect of Walking on Creative Thinking (Stanford University, Journal of Experimental Psychology, 2014). Rhythmische Bewegung steigert kreatives Denken messbar – der Effekt hält auch nach der Einheit an.
Samuele Marcora – Forschung zur wahrgenommenen Anstrengung im Ausdauersport, u. a. zusammengefasst in: Do We Really Need a Central Governor to Explain Brain Regulation of Exercise Performance? (European Journal of Applied Physiology, 2008). Kernthese: Das Aufhören ist eine Entscheidung des Gehirns, nicht eine Erschöpfung der Muskeln.
Tim Noakes – Lore of Running (4. Auflage, 2003). Standardwerk zum Ausdauersport, deckt Physiologie und Psychologie langer Belastungen umfassend ab.