Gesellschaft
9. September 2026· 17 Min. Lesezeit

Die Klimadebatte ist müde geworden — und ich frage mich warum

Im Juli sind wir mit einem Diesel durch die französische Waldbrandsaison gefahren, und aufgeregt hat mich das erstaunlich wenig.

Die Klimadebatte ist müde geworden — und ich frage mich warum

Wir sind Anfang Juli über Sérignan nach Font-Romeu gefahren und danach weiter in die Ardèche. Font-Romeu liegt in den Pyrénées-Orientales, und in demselben Département stand zur selben Zeit das Bergland der Aspres in Flammen: rund 4.900 Hektar Vegetation, Einwohner aus mehr als zwanzig Gemeinden wurden zeitweise evakuiert. Über Frankreich lag vom 4. bis zum 19. Juli eine Hitzewelle, eine der längsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Bis zum 27. Juli waren im ganzen Land rund 116.000 Hektar verbrannt. Der bisherige Rekord stammte aus dem Jahr 2022, damals waren es 66.337 Hektar im gesamten Jahr.

Unser Fahrzeug ist ein Opel Movano, Baujahr 2023, Diesel, ausgebaut, mit Schlafdach knapp 2,85 Meter hoch. Vor der Abfahrt haben wir ihn wie vor jeder größeren Reise auf einer Industriewaage gewogen: 3.480 Kilogramm bei 3.500 zulässig. Wir sind also mit einem vollbeladenen Dieselfahrzeug in eine Region gefahren, die zur selben Zeit in einer Rekordhitze gebrannt hat, und haben dort Urlaub gemacht.

Der Widerspruch ist offensichtlich, aber er stört mich weniger, als er sollte. Gestört hat er in diesen Tagen offenbar auch sonst niemanden, denn die 4.900 Hektar in den Aspres sind in den deutschen Nachrichten so gut wie nicht vorgekommen, und angesprochen hat mich darauf niemand. Kein Streit, keine Sondersendung, keine Debatte darüber, was ein solcher Sommer bedeutet.

Drei Wochen später sah das anders aus. Am 22. Juli brach in der Gironde ein Feuer aus, das am Ende 42.000 Hektar erfasste und damit der größte Flächenbrand in Frankreich seit 1949 war. 220.000 Menschen mussten die Region verlassen, zwei Feuerwehrleute starben in ihrem eingeschlossenen Fahrzeug, und Innenminister Laurent Nuñez nannte es die größte zivile Evakuierungsoperation Frankreichs außerhalb von Kriegszeiten. Zur selben Zeit brannte es in Spanien, wo bis Ende Juli rund 175.000 Hektar verbrannt waren und die Regierung am 29. Juli 211 Gebiete zu Katastrophengebieten erklärte, darunter im Norden Kastilien und León, Galicien und Asturien. Von da an lief es in jeder Nachrichtensendung.

Interessiert hat es die Leute also durchaus, aber erst nach drei Wochen und erst bei dieser Größenordnung. Was Anfang Juli in dem Département passiert ist, durch das wir gefahren sind, hat dafür nicht gereicht.


Das Thema ist nicht verschwunden, es ist abgerutscht

Was ich an mir selbst beobachtet habe, steht auch in den Umfragen. More in Common Deutschland hat im September 2025 gut 2.000 Menschen befragt und die Ergebnisse im Januar 2026 als „Klima-Update 2026“ veröffentlicht. Die Grundzahlen sehen erst einmal gar nicht nach Erschöpfung aus: 72 Prozent halten den Klimawandel für real und menschengemacht, 55 Prozent wollen von der Politik mehr Anstrengung sehen, weitere 18 Prozent zumindest das bisherige Niveau. Nur 22 Prozent wollen weniger.

Zugleich ist die Klimakrise auf der Liste der drängendsten Probleme in Deutschland von Platz vier im Jahr 2024 auf Platz neun im Herbst 2025 gefallen. Oben stehen jetzt Migration, Wirtschaftslage, Wohnungsnot und Preise. Der Anteil derer, die sich große oder eher große Sorgen um die Klimafolgen machen, liegt bei 65 Prozent und damit 15 Punkte niedriger als 2021.

Neben den Meinungen hat More in Common auch nach Gefühlen gefragt. 45 Prozent verbinden mit dem Gedanken an den Klimawandel Hilflosigkeit, 30 Prozent Enttäuschung, und Zuversicht oder Tatendrang geben rund 10 Prozent an. Damit lässt sich besser erklären als mit jeder Zustimmungsquote, warum bei uns niemand über die Aspres geredet hat, denn man diskutiert nicht über etwas, bei dem man sich vorher schon für machtlos hält.


Die erste Erklärung: Alle halten sich für die Einzigen

In derselben Erhebung stehen zwei Werte direkt nebeneinander. 58 Prozent der Befragten sagen, dass sie sich selbst Gedanken über Klimaschutz machen. Nur 38 Prozent trauen das ihren Mitmenschen zu.

58 Prozent der Deutschen machen sich Gedanken über Klimaschutz, aber nur 38 Prozent trauen das ihren Mitmenschen zu.

Das ist kein deutscher Sonderfall. Peter Andre, Teodora Boneva, Felix Chopra und Armin Falk haben 2024 in Nature Climate Change eine Befragung von rund 130.000 Menschen in 125 Ländern ausgewertet. 89 Prozent fordern von ihrer Regierung mehr politisches Handeln gegen den Klimawandel, 69 Prozent wären bereit, dafür monatlich ein Prozent ihres Haushaltseinkommens auszugeben. Gefragt, wie viele ihrer Landsleute wohl bereit dazu wären, lagen die Befragten im weltweiten Schnitt um 26 Prozentpunkte daneben — nach unten. In jedem einzelnen der 125 Länder wurde die Bereitschaft der anderen unterschätzt.

Dieselbe Forschungsgruppe hat den Vergleich anschließend mit deutschen Abgeordneten gemacht und dasselbe gefunden: Über die Parteigrenzen hinweg schätzten Politikerinnen und Politiker die Zustimmung der Bevölkerung zu Steuern, Gesetzen und finanziellen Beiträgen niedriger ein, als sie tatsächlich ist. Wer glaubt, mit einer Position allein zu stehen, spricht sie seltener aus, und je seltener sie ausgesprochen wird, desto mehr Menschen halten sich damit für allein.

Jérémie Gagné, Forschungsleiter bei More in Common, fasst den Befund so zusammen, dass es weiterhin eine breite Mehrheit für mehr Klimaanstrengung gibt, die Menschen ihre Erwartungen aber zuerst an das Gemeinwesen richten. In der Studie steht der Satz, dass viele sich gemeinsames Handeln wünschen und noch nicht richtig daran glauben. Nach dieser Lesart wäre die Müdigkeit ein Irrtum über die anderen. Die Mehrheit existiert, wobei sie nichts von sich selbst weiß.

Das ist eine tröstliche Erklärung, und ich hoffe, dass sie stimmt.


Die zweite Erklärung: Müde ja, selbst handeln nein

Philipp Genschel, Konstantin Vössing und Mirko Wegemann haben im Juli 2024 für die Friedrich-Ebert-Stiftung untersucht, was passiert, wenn man von den allgemeinen Fragen zu den konkreten übergeht. 71 Prozent stimmen der Aussage zu, dass die Politik für die Einhaltung beschlossener Klimaziele sorgen muss. Fragt man dann nach einzelnen Maßnahmen, erreichen selbst die beliebtesten davon im Durchschnitt nur knapp mehr als 5 auf einer Skala von 10. Besonders unbeliebt ist alles, was Dinge teurer macht, also höhere Steuern auf Benzin oder auf Fleisch. Beim Tempolimit stehen sich Zustimmung und Ablehnung fast unversöhnlich gegenüber.

Dieselben Forscher haben Befragten Bilder von Protest gezeigt. Wer eine Straßenblockade sah, unterstützte Klimaschutzmaßnahmen anschließend weniger als jemand, der eine Bundestagsrede gesehen hatte, und für die friedliche Demonstration galt dasselbe. Die Zustimmung zur Klimabewegung ist zwischen 2021 und 2023 von rund 70 auf rund 35 Prozent gefallen. Heute unterstützt etwa die Hälfte die Bewegung im Grundsatz, während 70 Prozent finden, dass die Protestaktionen zu weit gehen.

Über die Politik selbst urteilen die Befragten hart. 62 Prozent halten die deutsche Klimapolitik für planlos, 56 Prozent für wirkungslos, 55 Prozent für ungerecht. Nur 18 Prozent sagen, sie hätten ein klares Bild davon, wofür sich das alles am Ende lohnt. Zugleich fühlen sich 70 Prozent als diejenigen, die persönlich verzichten sollen. Zusammengenommen beschreiben diese fünf Zahlen eine Haltung, in der die Müdigkeit berechtigt ist und trotzdem bei jedem Einzelnen dieselbe Folge hat: Machen sollen es die anderen.

Der Bruch, nach dem diese Werte so aussehen, lässt sich ziemlich genau datieren. Im September 2023 hat der Bundestag das Gebäudeenergiegesetz beschlossen, und der Streit darüber ist der Klimapolitik seitdem nicht mehr abhandengekommen. Das Gesetz hat vielen Menschen eine sehr konkrete Belastung in Aussicht gestellt und die Entlastung dazu nebulös gelassen. Bezweifelt hat danach kaum jemand den Klimawandel, aber das Vertrauen in die gerechte und mögliche Umsetzung hat aufgehört.


Verschoben auf 2028

Wie sehr inzwischen über die Kosten und nicht mehr über die Sache gestritten wird, zeigen die Beschlüsse des vergangenen Jahres. Der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr, das ETS 2, sollte 2027 starten. Die EU-Umweltminister haben sich am 5. November 2025 darauf geeinigt, ihn um ein Jahr auf 2028 zu verschieben. Sechs Tage später, am 11. November 2025, haben sich Union und SPD in Berlin darauf verständigt, den nationalen CO2-Preis 2027 nicht steigen zu lassen: Es bleibt bei dem Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne, der auch 2026 gilt. Begründet wurde das mit Planungssicherheit und Verlässlichkeit.

Der Schritt von 2025 auf 2026 macht an der Tankstelle etwa drei Cent pro Liter aus und in einem unsanierten Einfamilienhaus zwischen 263 und 311 Euro im Jahr. Für Familien, bei denen es auf diese Beträge ankommt, ist das eine hohe Summe. Und doch ist es nur eine kleine Zahl im Gegensatz zu den 116.000 Hektar, die verbrannt sind.

Auf der anderen Seite dieser Rechnung stehen inzwischen ebenfalls Beträge. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, die Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung und die Prognos AG haben im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die Klimaschäden für Deutschland bis 2050 berechnet und kommen je nach Szenario auf 280 bis 900 Milliarden Euro. Rückwärts gerechnet steht dort ebenfalls eine Summe: Zwischen 2000 und 2021 haben Hitze, Dürre und Hochwasser hierzulande mindestens 145 Milliarden Euro gekostet, davon 80 Milliarden allein ab 2018. Claudia Kemfert hat im DIW-Wochenbericht 2025 zwanzig Jahre dieser Forschung durchgesehen; die Nutzen-Kosten-Verhältnisse liegen dort zwischen 1,8 und 4,8, der Nutzen des Klimaschutzes beträgt also das Zwei- bis Fünffache seiner Kosten. Die 263 bis 311 Euro stehen damit gegen einen Schaden, den dieselbe Familie später ohnehin mitträgt, ohne dass ihn jemand als Posten ausweist.

Bei den globalen Zahlen ist allerdings Vorsicht angebracht. Die meistzitierte Studie dazu, 2024 in Nature erschienen und mit einem weltweiten Einkommensverlust von 19 Prozent überschrieben, haben ihre Autoren im Dezember 2025 selbst zurückgezogen. Solche Rückzieher sind selten, aber sie kosten genau das Vertrauen, um das in diesem Streit gerungen wird.

Die beiden Wörter, mit denen die Koalition ihre Verschiebung begründet hat, benutzen die Unternehmen inzwischen gegen sie. Am 10. März 2025 haben fünfzig Firmen einen Appell der Stiftung KlimaWirtschaft unterschrieben, darunter ALDI SÜD, EnBW, IKEA Deutschland, die Otto Group und Wacker Chemie. Sie fordern einen legislaturübergreifenden Rahmen, der Investitionen in die Klimaneutralität planbar macht, und der Stiftungspräsident Michael Otto verlangt von der Bundesregierung „langfristig verlässliche Rahmenbedingungen“. Im März 2026 hat die Stiftung das im Kanzleramt bei Friedrich Merz wiederholt. Die Verschiebung schafft Planungssicherheit für die nächsten beiden Haushaltsjahre, während eine Investition in eine klimaneutrale Anlage sich über zwanzig Jahre rechnen muss und dafür einen Rahmen braucht, der länger hält als eine Wahlperiode.

Mein eigenes Verhalten im Juli hatte mit Zweifeln am Klimawandel nichts zu tun. Ich bin gefahren, weil wir gerne Urlaub machen: im Camper, im Sommer, in anderen Ländern. Der Preis dafür ist okay, weil eben nicht die Naturbelastung mitgedacht und eingepreist wird, bei mir genauso wenig wie in der Wirtschaft. Ein Betrieb, der seine Emissionen nicht bezahlen muss, rechnet mit denselben Zahlen wie ich an der Tankstelle. Beide Rechnungen gehen nur auf, solange die 280 bis 900 Milliarden Euro in keiner von beiden vorkommen. Genau diese Einpreisung hat die Politik im November zweimal hintereinander verschoben. Sie hat damit getan, was 55 Prozent der Befragten von ihr befürchten, nämlich die Lasten unklar verteilt, und sie hat gleichzeitig getan, was viele sich wünschen, nämlich sie erst einmal nicht erhöht.


Zwei Erklärungen, die einander widersprechen

Beide Erklärungen sind gut belegt, aber sie widersprechen einander.

Wenn Andre und Falk recht haben, ist die Sprachlosigkeit ein Missverständnis. Dann sitzen in jedem Wohnzimmer und in jeder Gemeinde Leute, die dasselbe denken, und keiner fängt an, weil jeder den anderen für gleichgültiger hält, als er ist. Dann wäre schon geholfen, wenn die Sache öfter ausgesprochen würde.

Wenn Genschel, Vössing und Wegemann recht haben, ist die Sprachlosigkeit bequem. Dann stimmen die Leute abstrakt zu und lehnen jede konkrete Maßnahme ab, die etwas kostet, und die 55 Prozent aus dem Klima-Update sind eine Zustimmung ohne konkrete Umsetzung und damit heuchlerisch. Mehr Reden wäre dann das Letzte, was hilft.

Beide Erklärungen setzen allerdings voraus, dass niemand redet, und das stimmt so nicht. Gedanken machen sich sehr viele Menschen, und ein Teil von ihnen sagt es seit Jahren laut: Umweltverbände, Aktivistinnen und Aktivisten und auch Forschende. Die Stellungnahme von Scientists for Future haben im Frühjahr 2019 mehr als 26.800 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterschrieben, darunter zwei Nobelpreisträger. Diesen Leuten wird auch geglaubt: Klimaforschende gehören mit 60 bis 70 Prozent zu den Gruppen, denen die Befragten in Klimafragen am meisten vertrauen, während Bundesregierung und Journalisten bei jeweils rund einem Drittel liegen.

Sobald dieselbe Warnung aber auf die Straße geht, dreht sich die Bewertung um. 70 Prozent finden, dass die Protestaktionen zu weit gehen, die Zustimmung zur Klimabewegung ist zwischen 2021 und 2023 von rund 70 auf rund 35 Prozent gefallen, und im Experiment von Genschel, Vössing und Wegemann sank die Unterstützung für Klimaschutzmaßnahmen schon dadurch, dass die Befragten das Bild einer Straßenblockade gesehen hatten. Wer laut wird, wird als Aktivist oder als radikal einsortiert, und wer einmal einsortiert ist, dem muss niemand mehr antworten. Ein Etikett erspart jedes Gegenargument, und sprachlos bleibt damit vor allem die Mehrheit, die sich nicht einsortieren lassen will.


Ich komme zu keinem Ergebnis

Ich kann nicht sagen, welche der beiden Lesarten stimmt. Die Erklärung mit dem Irrtum über die anderen gefällt mir besser, und gerade deshalb traue ich ihr weniger als der Erklärung mit der folgenlosen Zustimmung. Auf meine eigene Reise passt ohnehin die zweite: Ich habe keinen Moment gezögert, ich habe abstrakt zugestimmt und konkret nichts geändert. Auf das, was mir in Gesprächen begegnet, passt eher die erste. Ich rede mit ziemlich vielen Menschen, und mit Gleichgültigkeit habe ich es dabei selten zu tun. Eher mit dem Gefühl, dass Reden über dieses Thema anstrengend ist und nichts bringt.

Was sich aus beiden Erklärungen gleichermaßen ergibt, ist die Bewertung dieser Sprachlosigkeit. In der ersten ist es der Mechanismus, der den Irrtum am Leben hält. In der zweiten ist es die Art, die Sache bei den anderen zu lassen, ohne sich selbst zu etwas zu verpflichten. Die Überzeugung ist in beiden Fällen vorhanden, und was fehlt, ist, dass die Leute sie voreinander aussprechen.

Hängen geblieben bin ich deshalb weder an den 116.000 Hektar noch an den 72 Prozent, sondern an der Differenz zwischen 58 und 38. Zwanzig Punkte zwischen dem, was Menschen von sich selbst wissen, und dem, was sie ihrem Nachbarn zutrauen. Sollte diese Lücke der Grund für die Sprachlosigkeit sein, dann lässt sie sich überprüfen, und zwar am Küchentisch und im Gemeindehaus, wo ich ohnehin die meiste Zeit meiner Woche verbringe.

Mal sehen, für welchen Urlaubsort wir uns nächstes Jahr entscheiden. Normalerweise fahren wir ja nach Skandinavien. Auch das ist weit weg und mit unserem Diesel nicht gerade umweltfreundlich. Ich weiß aber inzwischen, dass meine Sprachlosigkeit darüber im Juli keine Meinung war, sondern eine Annahme über alle anderen.

Euer

Mathis

Foto von Matt Palmer auf Unsplash


Quellen und weiterführende Lektüre

More in Common Deutschland — Klima-Update 2026: Gesellschaftliche Perspektiven auf die deutsche Klimaschutzdebatte (Januar 2026). Online-Befragung von 2.003 Personen vom 16. bis 28. September 2025. Die Quelle der meisten Zahlen oben, und die einzige mir bekannte Studie, die nicht nur nach Meinungen, sondern nach Gefühlen und nach der Einschätzung der Mitmenschen fragt. Der Abstand zwischen 58 und 38 Prozent steht dort eher beiläufig. moreincommon.de

Peter Andre, Teodora Boneva, Felix Chopra, Armin Falk — Globally representative evidence on the actual and perceived support for climate action, Nature Climate Change 14, 253–259 (2024). Rund 130.000 Befragte in 125 Ländern. Der Befund, dass die Zahlungsbereitschaft der anderen in jedem einzelnen Land unterschätzt wird, im weltweiten Schnitt um 26 Prozentpunkte, ist die stärkste Grundlage für die optimistische Lesart. nature.com

Dieselbe Forschungsgruppe — Public support for climate action is underestimated in the German political domain, Communications Earth & Environment (2026). Die Fortsetzung mit deutschen Abgeordneten. Ich habe nur die frei zugängliche Zusammenfassung gelesen, der Volltext liegt hinter einer Anmeldeschranke; die Parteiunterschiede kann ich deshalb nicht beurteilen. nature.com

Philipp Genschel, Konstantin Vössing, Mirko Wegemann — Klimaschutz zwischen Polarisierung und Protest. Öffentliche Meinung und die Rolle konkreter Maßnahmen, Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, Juli 2024. Die Gegenstudie zu den optimistischen Zahlen, und für mich der unbequemere Text. Wer wissen will, warum breite Zustimmung im Grundsatz und Mehrheiten für einzelne Maßnahmen zwei verschiedene Dinge sind, findet es hier. fes.de

Claudia Kemfert — Zwei Jahrzehnte Klimakostenforschung: Präventiver Klimaschutz als volkswirtschaftlicher Vorteil, DIW Wochenbericht 38/39 (2025), S. 613–619. Die Übersichtsarbeit, aus der die Nutzen-Kosten-Verhältnisse von 1,8 bis 4,8 und die 145 Milliarden Euro Schäden zwischen 2000 und 2021 stammen. Kemfert ist in dieser Debatte eine Partei und keine neutrale Instanz, was ihre Zahlen nicht falsch macht, beim Lesen aber dazugehört. diw.de

IÖW, GWS und Prognos AG — Kosten durch Klimawandelfolgen in Deutschland, im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (2023). Quelle der Spanne von 280 bis 900 Milliarden Euro bis 2050. Die große Spannweite ist kein Makel der Studie, sondern die ehrliche Auskunft darüber, wie sehr das Ergebnis am unterstellten Erwärmungsszenario hängt. gws-os.com

Zur zurückgezogenen Studie: Maximilian Kotz, Anders Levermann und Leonie Wenz veröffentlichten 2024 in Nature The economic commitment of climate change mit der viel zitierten Prognose eines weltweiten Einkommensverlusts von 19 Prozent bis 2049. Nach Kritik an Methodik und Datenbehandlung zogen die Autoren den Aufsatz im Dezember 2025 zurück. Ich führe ihn hier auf, weil die Zahl weiterhin kursiert. retractionwatch.com

Stiftung KlimaWirtschaft — Unternehmensappell für einen starken und klimaneutralen Wirtschaftsstandort, 10. März 2025, unterzeichnet von fünfzig Unternehmen. Wer wissen will, wie die Forderung nach Klimapolitik klingt, wenn sie aus der Industrie kommt statt aus einer Bewegung, findet hier den Text. klimawirtschaft.org

Scientists for Future — Stellungnahme deutschsprachiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu den Protesten für mehr Klimaschutz (März 2019). Bis zum 22. März 2019 von mehr als 26.800 Personen unterschrieben, darunter zwei Nobelpreisträger. Wer wissen will, wie eine Warnung aussieht, die nicht aus einer Bewegung, sondern aus den Fachgesellschaften kommt, liest die vier Seiten am besten selbst. de.scientists4future.org

Waldbrände in Frankreich 2026 — Chronologie und Flächenangaben nach der deutschsprachigen Wikipedia, abgerufen am 1. September 2026. Von dort stammen die Zahlen zu den Aspres, zur Hitzewelle vom 4. bis 19. Juli, zu den 116.000 Hektar bis zum 27. Juli und der ganze Ablauf in der Gironde ab dem 22. Juli samt dem Zitat von Innenminister Nuñez. Ich habe nichts davon in einer Primärquelle gegengeprüft, und für den Vergleich der öffentlichen Aufmerksamkeit zwischen Anfang und Ende Juli habe ich überhaupt keine Quelle, sondern nur meine eigene Wahrnehmung. de.wikipedia.org

Waldbrände in Spanien 2026 — Dass die spanische Regierung am 29. Juli 211 Gebiete zu Katastrophengebieten erklärt hat, meldete Euronews. Die rund 175.000 Hektar bis Ende Juli und die Liste der 14 betroffenen autonomen Regionen stammen aus der Berichterstattung der Costa Nachrichten, also aus einer Sekundärquelle. Wer belastbare Flächenzahlen für Spanien sucht, ist beim europäischen Waldbrandinformationssystem EFFIS besser aufgehoben als bei mir. euronews.com

Zum CO2-Preis: Die Einigung der EU-Umweltminister auf die Verschiebung des ETS 2 auf 2028 datiert vom 5. November 2025, die Verständigung von Union und SPD auf einen unveränderten nationalen CO2-Preis 2027 vom 11. November 2025. Die Angaben zu drei Cent pro Liter und 263 bis 311 Euro im Jahr beziehen sich auf den Schritt von 2025 auf 2026 und stammen aus der Berichterstattung der Zeitschrift für kommunale Wirtschaft. zfk.de

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