Frauenfußball
23. September 2026· 11 Min. Lesezeit

Der FCK spielt jetzt bei uns mit

In dieser Saison steht der 1. FC Kaiserslautern auf unserem Spielplan. In zwei Jahren wird er höher spielen, so wie die Entwicklung im Frauenfußball läuft.

Der FCK spielt jetzt bei uns mit

Der FFV Ingelheim spielt in diesem Jahr seine erste Saison in der Verbandsliga Südwest. In derselben Liga spielt der 1. FC Kaiserslautern. Ein Verein mit vier deutschen Meistertiteln bei den Männern, einem Stadion für fast 50.000 Zuschauer und einer Frauenabteilung, die es seit dem Sommer 2023 gibt.

Beide Vereine sind von unten gekommen. Wir sind 2025 von null gestartet, in der Landesliga, und ungeschlagen Meister geworden. Der FCK ist 2024/25 in der Bezirksliga West gestartet, Meister geworden und hat den Pokal gewonnen, und 2025/26 in der Landesliga wieder beides. Eine Liga tiefer als wir musste er anfangen, weil es in seinem Bezirk schon in der Bezirksliga ein Elfer-System gibt, bei uns erst ab der Landesliga. Jetzt stehen wir in derselben Tabelle.

Die Gründe dafür sind bei uns und beim FCK verschieden. Unser Aufstieg war kalkuliert, weil viele unserer Spielerinnen aus der Verbandsliga kamen und in der Landesliga neu anfangen mussten. Der FCK holt jedes Jahr Spielerinnen von anderen Vereinen, jede Saison aus höheren Ligen als im Jahr davor, und der Staff dahinter ist so aufgestellt, wie es in dieser Liga sonst bei niemandem ist. In der Bezirksliga und in der Landesliga hat das für andere Mannschaften bedeutet, dass sie gegen den FCK zweistellig verloren haben. Für die Spielerinnen dieser Vereine war das frustrierend, denn wer samstags zweistellig verliert, hat an dem Tag keinen Fußball gespielt.

In der Verbandsliga werden die Ergebnisse zwar enger, aber gewonnen hat der FCK bisher trotzdem jedes Spiel. Gegen uns hat er noch nicht gespielt.

Wichtiger als das Spiel gegen den FCK ist für mich die Frage, was aus der Liga wird, wenn er weg ist. Denn er wird weg sein, und die Antwort darauf steht schon in der ersten Liga.


Was in der ersten Liga schon passiert ist

Im Mai dieses Jahres ist die SGS Essen aus der Frauen-Bundesliga abgestiegen. Nach 22 Jahren. Die SGS Essen hat Lena Oberdorf ausgebildet, Lea Schüller und Nicole Anyomi, und sie war der letzte Verein in der ersten Liga, der nur Frauenfußball macht. In der Saison 2026/27 besteht die Frauen-Bundesliga aus 13 Vereinen, deren Männer in der Bundesliga spielen, und dem 1. FC Nürnberg, dessen Männer in der zweiten Liga spielen. Aufgestiegen sind der VfB Stuttgart und Mainz 05, zwei Vereine, die vor wenigen Jahren noch keine nennenswerte Frauenabteilung hatten. Überholt haben sie dabei den SC Sand, einen Dorfverein aus der Ortenau, der jahrelang erste Liga gespielt hat.

Beim SC Sand lässt sich nachlesen, woran es liegt. Seit der Saison 2025/26 gilt in der Frauen-Bundesliga: mindestens 5.000 Plätze im Stadion, davon 2.000 Sitzplätze, Rasenheizung und Flutlicht mit 1.200 Lux. Dazu Co-Trainer, Torwarttrainer, Athletiktrainer, Physiotherapeut und Videoanalyst, alle hauptamtlich. Diskutiert wird zusätzlich ein Mindestgehalt zwischen 2.190 und 3.650 Euro für 22 Spielerinnen. Der SC Sand hatte im Februar kein Flutlicht, das diese Auflagen erfüllt, und hätte im Aufstiegsfall seine Heimspiele im Karlsruher Wildparkstadion austragen müssen. Aufgestiegen ist er am Ende nicht.

Ein Verein, dessen Männer in der Bundesliga spielen, hat Rasenheizung, Flutlicht und Physiotherapeuten ohnehin, während ein Verein, der nur Frauenfußball macht, sie kaufen muss und das Geld nicht zurückbekommt. In der Saison 2024/25 haben die zwölf Erstligisten im Schnitt 3,6 Millionen Euro eingenommen und 5,8 Millionen ausgegeben. Das sind 2,2 Millionen Euro Verlust pro Verein und Jahr. Der DFB nennt das strategisches Investment. Für Essen und Sand heißt es, dass sie in einer Liga mitspielen sollten, in der jeder Teilnehmer jedes Jahr über zwei Millionen Euro verliert, und dass hinter ihnen niemand steht, der das bezahlt.

Heike Ullrich, Vizepräsidentin des DFB, hat zum Abstieg von Essen gesagt: „Auch das ist Markt – und eine Entwicklung sehenden Auges.“ Kathrin Längert, früher DFB-Talent und heute Nachwuchstrainerin in Essen, hat es anders gesagt. Die Liga habe funktioniert wie der Wilde Westen, kein Verein habe nur durch gute Leistung überleben können, und mit den reinen Frauenvereinen verlasse „das Alleinstellungsmerkmal unseres Sports die erste Liga“.

Ein Verein, der 22 Jahre lang Nationalspielerinnen ausgebildet hat, steigt ab, weil hinter ihm keine Männermannschaft steht.


Der Bundestag am 18. September

Am 18. September tagt ein außerordentlicher DFB-Bundestag. Er soll die Satzung ändern, damit die Frauen-Bundesliga aus dem DFB herausgelöst und vom neu gegründeten Verein FBL e.V. betrieben wird, dem Zusammenschluss der Bundesligisten. Die Saison 2026/27 ist der Übergang, und ab dem 1. Juli 2027 gilt die neue Struktur. Katharina Kiel, die Präsidentin des FBL, hat von 700 bis 800 Millionen Euro gesprochen, die die Vereine in den nächsten acht Jahren in die Liga investieren wollen.

Das ist die größte Investition, die es im deutschen Frauenfußball je gegeben hat, und sie kommt von Vereinen, die vor drei Jahren dazu verpflichtet wurden. Seit 2023 steht in den Lizenzbestimmungen der DFL, dass ein Männer-Bundesligist den Frauenfußball fördern muss, mit einer eigenen Abteilung oder mit einer Kooperation. Der FCK hat seine Frauenabteilung im Sommer 2023 gegründet. Ob das Überzeugung war oder eine Pflicht aus dem Lizenzantrag, kann ich nicht beurteilen. Für die Spielerinnen, die jetzt dort trainieren, macht es vermutlich keinen Unterschied, und für uns als Gegner auch nicht.

Ich glaube, dass die 700 Millionen Euro dem Frauenfußball guttun werden. In der Saison 2025/26 haben 653.750 Zuschauer die Spiele der ersten Liga gesehen, im Schnitt 3.592 pro Spiel, beim Eröffnungsspiel in München 57.762. Alle Spiele laufen auf DAZN. Das hat es vor fünf Jahren nicht gegeben, und ohne die Männervereine gäbe es das heute nicht.

Nur fließt das Geld in Vereine, die es sich leisten können, Geld zu verlieren. Die zweite Liga hatte in derselben Saison im Schnitt 550 Zuschauer pro Spiel. Der VfB Stuttgart hat dort im März einmal 31.736 Leute in die MHPArena geholt, gegen Mainz, und die beiden sind jetzt oben. Der SC Sand spielt weiter vor ein paar hundert Zuschauern, und die SGS Essen ab jetzt auch.


Die dritte Liga und der Südwesten

Ab der Saison 2027/28 gibt es im Frauenfußball eine dritte Liga. 36 Mannschaften in drei Staffeln zu je zwölf, Nord, Mitte und Süd. Die Saison 2026/27, also die, die gerade läuft, ist die Qualifikation dafür.

Die 36 Plätze sind nach der DFB-Mitgliederstatistik verteilt worden. Der Süden bekommt zwölf, der Norden neun, der Westen acht, der Nordosten vier. Der Südwesten bekommt drei. Drei Plätze für Rheinland-Pfalz und das Saarland, für alle Vereine der Regionalliga Südwest zusammen. Die drei Absteiger aus der zweiten Liga kommen noch dazu, und ab dem zweiten Jahr steigen aus jeder Staffel drei Mannschaften ab.

Für uns bedeutet das zweierlei. Die Regionalliga, in der heute die höchsten reinen Frauenvereine des Südwestens spielen, wird zur vierten Liga. Die Verbandsliga, in der wir spielen, wird zur fünften. Ohne dass sich an unserer Tabelle etwas ändert, spielen wir im Juli 2027 eine Etage tiefer. Und die dritte Liga bekommt Zulassungskriterien in sechs Bereichen, Stadion, Personal, Finanzen, Spielorganisation, Recht und Sport, die es in der Regionalliga nie gegeben hat. Wie streng die im Einzelnen sind, hat der DFB noch nicht veröffentlicht. Dass sie ein Verein wie unserer aus Mitgliedsbeiträgen und Sponsoren erfüllt, halte ich für unwahrscheinlich.

Die Grenze zwischen dem Fußball, den Vereine wie wir aus eigener Kraft spielen, und dem Fußball, in den investiert wird, gab es vorher auch. Diese Grenze verlief unsichtbar zwischen zweiter Liga und Regionalliga. Ab 2027 ist sie nach unten verschoben zwischen dritter Liga und Regionalliga, so will es zumindest das Zulassungsverfahren.

Dazu kommt, was von oben nach unten durchgereicht wird. Bayern München II und der VfL Wolfsburg II sind gerade aus der zweiten Liga abgestiegen, Hoffenheim II und der 1. FC Köln II aufgestiegen. Ab 2029/30 sollen zweite Mannschaften in der zweiten Liga und dritte Mannschaften in der dritten Liga nicht mehr zugelassen sein. Die Mannschaften spielen dann in der Regionalliga und darunter. Der FCK hat in dieser Saison zum ersten Mal eine zweite Frauenmannschaft gemeldet. In ein paar Jahren spielen Vereine wie unsere gegen die Dritte des FCK, die Zweite von Mainz und die Reserve von Hoffenheim, und für die ist es eine Ausbildungsstation.


Was das mit uns macht

Der Frauenfußball ist zu klein, als dass uns der FCK Spielerinnen oder Sponsoren wegnehmen würde. Das passiert nicht, und ich will es auch nicht behaupten. Was sich verändert, ist der Weg, den ein gutes Mädchen im Fußball nimmt.

Der DFB hat im Juli gemeldet, dass die Zahl der Mädchenmannschaften auf 6.662 gestiegen ist, ein Plus von 630 Teams oder mehr als zehn Prozent in einem Jahr. Keine andere Gruppe im DFB ist im letzten Jahr so stark gewachsen wie die Mädchen, und die Vorbilder dafür spielen in der Allianz Arena und laufen bei DAZN. Ein Mädchen, das heute in Ingelheim mit Fußball anfängt, hat gesehen, dass Frauen vor 57.000 Leuten spielen. Das gab es für ihre Mutter nicht.

Für uns ist das eine gute Nachricht, und ich sage sie gern. Nur läuft der Weg dieser Mädchen, wenn sie gut sind, nicht mehr über Vereine wie unseren. Er läuft über die Nachwuchsleistungszentren der Männervereine, und am Ende dieses Weges gibt es keinen Verein mehr, der nur Frauenfußball macht. Die SGS Essen hat Lena Oberdorf mit sechzehn in der Bundesliga spielen lassen, aber mit achtzehn ist sie nach Wolfsburg gegangen. Das System hat die Talente schon immer nach oben gezogen. Neu ist, dass es unten keinen Verein mehr gibt, der davon lebt, sie auszubilden.

Katja Kraus, früher im Vorstand des HSV, hat vor einer Tabelle gewarnt, die nur noch die Wirtschaftskraft der Männervereine abbildet. In der ersten Liga ist das seit diesem Sommer so. Bei uns in der Verbandsliga gilt das in diesem Jahr genauso, und in der Bezirksliga West hat es vor zwei Jahren angefangen.

Entgegensetzen können wir dem, dass wir ambitionierten Fußball spielen, es aber doch ein Hobby ist. Und dass bei uns niemand gleich raus ist, wenn die Leistung mal nicht stimmt oder eine Verletzung dazwischenkommt. Wir können ein Verein sein, in dem eine Spielerin mit 24 gerne spielt, nachdem sie beim FCK mit 19 gemerkt hat, dass es für ganz oben nicht reicht. Bei der Gründung haben wir als Ziel ausgegeben, irgendwann Regionalliga zu spielen, in einer gesunden Entwicklung des Vereins und im Bewusstsein, nicht die Möglichkeiten eines Vereins zu haben, der eine Männerabteilung im Hintergrund hat. Daran hat sich nichts geändert.

Ob das gut ist, weiß ich nicht. Es ist gut für die Mädchen, die anfangen, und für die, die es nach oben schaffen. Für die reinen Frauenvereine ist es das Ende. Der DFB hat den Frauen 1955 das Spielen verboten und 1970 wieder erlaubt, und in der Zeit dazwischen sind diese Vereine entstanden, weil die Männervereine keine Frauen wollten. Der 1. FFC Frankfurt, siebenmal deutscher Meister, ist 2020 in der Eintracht aufgegangen und der FCR Duisburg 2014 im MSV. Turbine Potsdam ist 2023 abgestiegen und Essen 2026. Die Vereine, die den Sport großgemacht haben, verschwinden in dem Moment aus der ersten Liga, in dem er Geld wert wird.


Irgendwann in dieser Saison spielen wir gegen den FCK. Ich werde am Spielfeldrand stehen, wie bei jedem Spiel, und ich werde mich freuen, wenn wir ein gutes Spiel machen, und noch mehr, wenn wir einen Punkt holen.

Und im Sommer danach wird der FCK aufsteigen, in die Regionalliga, dann in die dritte Liga, dann weiter. Wir werden in der Verbandsliga bleiben oder in die Regionalliga aufsteigen, aber dort ist für einen Verein wie unseren Schluss. Darüber beginnt ein Zulassungsverfahren, das für Vereine geschrieben wurde, die Geld verlieren können, und mit der Qualität unseres Spiels hat das nichts zu tun.

An diese Saison werde ich trotzdem noch lange denken. Sie war so spannend, weil viele gute Vereine in der Liga waren, unter anderem der FCK, und weil wir mit ihnen um die Plätze gekämpft haben. Wie erfolgreich, lässt sich im September noch nicht sagen.

Euer

Mathis

Foto von Jeffrey F Lin auf Unsplash


Quellen und weiterführende Lektüre

Sport1 – Zäsur in der Frauen-Bundesliga: „Das finde ich unendlich traurig“ (Mai 2026). Die Bilanz zum Abstieg der SGS Essen mit den Zitaten von Heike Ullrich, Kathrin Längert und Katja Kraus und der Zusammensetzung der Liga 2026/27. Der Artikel, der mich auf die Zahl gebracht hat, die diesen Text trägt: 13 plus 1.

DFB – Saisonreport 2024/2025 und Zahlen, Daten, Fakten: Rekordsaison setzt neue Maßstäbe (dfb.de, 2025 und 2026). Die 3,6 Millionen Euro Einnahmen gegen 5,8 Millionen Ausgaben pro Verein, die Zuschauerzahlen der Saison 2025/26 (653.750 gesamt, 3.592 im Schnitt, 57.762 in München). Der DFB feiert in diesen Berichten den Rekord und nennt den Verlust im selben Absatz strategisches Investment.

90min.de – Mindestgehalt, VAR, Stadien: So will der DFB die Frauen-Bundesliga reformieren (2025). Die Zulassungskriterien ab 2025/26 im Einzelnen: 5.000 Plätze, 2.000 Sitzplätze, Rasenheizung, 1.200 Lux, hauptamtlicher Stab, das diskutierte Mindestgehalt. Die Liste, die erklärt, warum ein Dorfverein nicht mehr aufsteigen kann.

Badische Neueste Nachrichten – SC Sand im Aufstiegsrennen: Flutlicht-Problem gefährdet Rückkehr in die Bundesliga (20. Februar 2026). Der Fall, an dem sich die Kriterien konkret zeigen. Der Artikel steht hinter einer Bezahlschranke, ich habe nur Überschrift und Einleitung lesen können und die Aussage zum Wildparkstadion daraus übernommen.

Verbandsbüro – Frauen-Bundesliga vor der Ausgliederung: Was am 18. September entschieden werden soll (September 2026), ergänzt um die DFB-Meldung zur Einberufung des Bundestags. Grundlagenvertrag, Pachtvertrag, Zeitplan, Zuständigkeiten. Sachlich und ohne Bewertung, was bei dem Thema selten ist.

DFB – FAQ: Die neue 3. Liga der Frauen und der Wikipedia-Eintrag 3. Frauenfußball-Liga mit der Verteilung der 36 Startplätze auf die Regionalverbände. Drei Plätze für den Südwesten. Die Zahl, die ich beim ersten Lesen für einen Tippfehler gehalten habe.

DFL-Lizenzierungsordnung (seit 2023), zitiert nach Sport1. Die Verpflichtung der Männer-Bundesligisten, den Frauenfußball zu fördern. Ich habe die Ordnung nicht selbst gelesen, die Angabe stammt aus dem Sport1-Artikel oben.

1. FC Kaiserslautern und Südwestdeutscher Fußballverband – Mädchen & Frauen (fck.de) und Frauen Verbandsliga Südwest startet in die neue Saison (swfv.de, 2026). Gründung der Abteilung im Sommer 2023, die beiden Meisterschaften und Pokalsiege, die zweite Mannschaft ab 2026/27. Was der FCK an Spielerinnen und Staff aufgebaut hat, weiß ich aus der Liga, nicht aus einer Veröffentlichung.

DFB – DFB-Mitgliederstatistik Saison 2025/26 (16. Juli 2026). 6.662 Mädchenmannschaften, plus 630. Dieselbe Statistik, nach der die Plätze der dritten Liga verteilt wurden.

Zur Geschichte der reinen Frauenvereine: Das Verbot des DFB galt von 1955 bis 1970. Der 1. FFC Frankfurt ist im Juli 2020 in Eintracht Frankfurt aufgegangen, der FCR 2001 Duisburg 2014 in den MSV Duisburg, Turbine Potsdam 2023 abgestiegen. Diese Daten habe ich aus dem Gedächtnis und aus allgemein zugänglichen Vereinschroniken zusammengetragen, nicht aus einer einzelnen Quelle.

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